Taek-Kyon  
 
Ein Beitrag mit Bildern zum Lexikon verfasst von Hendrik Rubbeling

Zusammen mit "Ssireum" und "Kug-Gung" ist Taek-Kyon eines der ältesten noch existierenden Kampfsysteme aus Korea. Einige der Besonderheiten sind Tanz und ein ständiger Kampfschrei.
 
Das Technikrepertoire umfasst:

1. Bein- und Fußtechniken
2. Arm- und Handtechniken
3. Hebel- und Drucktechniken
4. Würfe-, Würge- und Haltetechniken
5. Rumpf-, Schulter- und Kopfstöße
6. Stockkampf

  Es ist jedoch auf Beintechniken wie Tritte, Sprünge und Fußwürfe spezialisiert.
 
Tanz im Taek-Kyon

Taek-Kyon erinnert von seinem Erscheinungsbild her an einen Tanz. Manche Forscher sehen die Ursprünge des Taek-Kyon in den alten rituellen Tänzen der koreanischen Völker, wie Tong-Maeng aus Koguryo, Yong-Ko in Puyo, Mu-Chon in Ye und Ka-Bi in Shilla. (Quelle: Kampfsportlexikon des Budostudienkreises Bensheim)

Noch heute besitzt der traditionelle Maskentanz Tal-Jum viele Ähnlichkeiten mit den Bewegungen des Taek-Kyon.
  Die Regel im Wettkampf, immer ein Bein exponieren zu müssen, unterstützte offensichtlich die Entwicklung zum Tänzerischen.

Taek-Kyon hat daher meistens einen sanften, wenn auch athletischen Charakter. Die Kämpfer sind immer in fließender Bewegung, es gibt keine Techniken, die in Stillstand münden.

  Das Becken wird bei den meisten heutigen Stilen durch Hüfteinsatz in den Tanzschritten rhythmisch nach vorn geschoben, außerdem wird in den Knien gewippt, um den Fluss (kor.: "Gum-Shil") zu unterstreichen.
 
Der Kampfschrei

Bei jedem Schritt und jeder Technik wird im Training, nicht unbedingt im Kampf, entweder ein wie "ick" oder wie "eck" klingender Laut geformt.
  Dabei wird aus dem Unterleib geatmet, ähnlich wie in den Meditationsformen.

Diese Atemtechnik wird "Ki-Hap" genannt. "Ki" ist dabei eine Art "Lebensenergie" und "Hap" bedeutet "Sammeln". Dies zeigt, dass der Laut eigentlich mehr ist als ein bloßer Schrei.

Will ein Kämpfer eine besonders kraftvolle Technik oder einen Sprung ausführen, so hängt er meist ein offenes "O" an, so dass der Kampfschrei länger gezogen wird.

 
Techniken
 
 
Taek-Kyon ist auf Fußtechniken und Sprünge sowie Fußwürfe und Fußfeger spezialisiert, enthält aber auch viele andere Techniken. Zu den Fuß- und Beintechniken gehören viele Angriffs- und Abwehrtechniken, die für den unteren Körperbereich abwärts der Gürtellinie bis zur Sohle geeignet sind (tiefe Tritte und Feger)
 
Taek-Kyon ist auch unter dem Namen "Takkyon" und "Bi-Gak-Sul" bekannt. Letzteres bedeutet "fliegendes Bein-Technik bzw.-Kunst" und weist auf die akrobatischen Sprünge hin.

Bei den Würfen wird nie die Hüfte wie im Judo verwendet, weshalb man von Bein- oder Fußwürfen spricht.

Im Bild eine große Außensichel. Man kann auch die zweite Hand zur Hilfe nehmen, dies ist aufgrund der Dynamik jedoch nicht immer nötig.
  Die Handtechniken sind rund und beschreiben große Linien . Eine Besonderheit ist, dass die geschlossene Faust im Taek-Kyon nicht gegen den Kopf sondern nur gegen den Rumpf geführt wird. Generell ist es meist so, dass harte Ziele nicht mit harten Waffen angegriffen werden; so werden knöcherne Körperteile wie das Gesicht mit der offenen Hand attackiert.

  Es existieren zwei Technikgruppen im Taek-Kyon:

  1. Die Verbreitete ist relativ weich und enthält wenige gefährliche Techniken. Zum Beispiel wird ein Seittritt nicht mit der Ferse, sondern dem weicheren Fußballen getreten und alle Techniken werden gedrückt, so dass das Ziel nicht ruckartig getroffen und verletzt wird.

Die Entwicklung dieser Taek-Kyon-Variante begann offenbar in der friedlichen Choson-Dynastie durch zunehmende Bedeutung von Turnierkämpfen.
  Sie versteht sich eher als Gesundheitsübung bzw. als Spiel denn als Selbstverteidigungsart. Kleine Änderungen machen die Techniken jedoch zu Waffen, die hauptsächlich in der "Combat-"Variante praktiziert werden.

2. So existieren auch Knietechniken und Handkantenschläge sowie weitere aggressive Techniken, die den Gegner nicht schonen. Diese Techniken werden unter dem Begriff "Yaet-Bôb" zusammengefasst (yaet=alt, bob=Technik)

Im Bild ein Kopfstoß zum Rumpf demonstriert von Song Dôk-Ki.
  Alle Techniken im TN werden vergleichsweise langsam abgebremst; so sehen die Tritte trotz Krafteinsatz geschmeidig aus. Extreme Schnappbewegungen des Knies kommen nicht vor, so dass die Gelenke auch durch jahrzehntelanges Training nicht zu stark belastet werden.

Einfluss aus anderen Ländern ist nicht nachgewiesen worden. Parallelen zu den Tierstilen und übrigen chinesischen Techniken / Formen fehlen. Die meisten Techniken existieren nur entweder im Taek-Kyon oder in anderen Stilen, aber nicht gleichzeitig in beiden. Die Techniken, die auch in anderne Kampfarten vorkommen, weisen dann fast immer große Unterschiede in der Ausführung auf.
  Generell sind weder chinesische noch japanische Kampfkünste bekannt, die Fußtechniken aus dem Taek-Kyon enthalten oder in der Ausführung ähneln.
Rechts im Bild Song Dôk-Ki mit seinem Schüler Shin Han-Seung.
  Auch der Einfluss von koreanischen Stilen auf die Stile anderer Länder ist nicht evident, jedoch ebenfalls nicht völlig ausgeschlossen.

Taek-Kyon enthält auch keine chinesischen oder japanischen Philosophien. Zur Philosophie des Taek-Kyon siehe weiter unten.

  Die Dominanz der Fußtechniken erklärt sich aus der Mentalität der Koreaner. Es gibt in dieser Kultur zahlreiche Spiele, bei denen gesprungen wird oder mit den Füßen gespielt wird. Auch die Rhythmik im Taek-Kyon entspricht dieser Mentalität. Daher kann Taek-Kyon zu Sa-Mul-No-Ri (Bild links), koreanischer Trommelmusik, gespielt werde
 

Meditation


Taek-Kyon besitzt eine besondere Atemtechnik. Bei jeder Bewegung macht der Taekkyonist einen Laut, der entweder "ick", "eck" oder "icko" klingt. Diese Atmung soll aus dem sogenannten Zinnoberfeld (kor.: "Don-Jon") kommen, der Körpermitte unterhalb des Bauchnabels (zu Sanskrit auch "2.Shakra" genannt).

Dieses Zentrum ist nach orientalischer Vorstellung für die biologische Gesundheit des Menschen verantwortlich. Es ist auch ein wichtiger Ansatzpunkt in der koreanischen Meditation Dan-Jon-Ho-Heup (auch Dahn Hak). Es ist davon auszugehen, dass sich Dahn-Hak und Taek-Kyon in der Geschichte gegenseitig beeinflusst haben.

Dieser Aspekt deutet auf eine gesunde Wirkung auf den Körper hin, da das Zinnoberfeld durch das stetige aktive Atmen gestärkt wird.

Taek-Kyon ist jedoch in der heutigenForm keine Meditation. Es will keine spirituellen Ziele verfolgen, sondern "weltliche" Ziele. Ähnlichkeiten zur Meditation rühren vom natürlichen Charakter her.

"Natürlichkeit" kann sogar als die vorherrschende Philosophie des Taek-Kyons bezeichnet werden. Alle Bewegungen sollen von innen heraus kommen, unverkrampft und locker sein.



Wettkampf


Wettkampf existiert im Taek-Kyon mindestens seit dem 19.Jahrhundert, wahrscheinlich aber schon seit mehreren Hundert Jahren.

Während, 10 Tage vor oder 10 Tage nach dem Tano-Fest (am 5. Mai nach dem Mondkalender) wurde in der Gegend von Seoul das "Kyolryon Taek-Kyon" veranstaltet.

Bei diesem Taek-Kyon-Wettstreit traten zwei Mannschaften gegeneinander an, eine aus dem Westen und eine aus dem Osten der Stadt. Der Beginn des Turniers war den Kindern überlassen.

Dieser Brauch ist bis zum Ende der Choson-Dynastie (1910) belegt und wurde danach von den Japanern verboten.

Ziel im Wettkampf ist es, den Gegner entweder zu Boden zu bringen, mit dem Fuß am Kopf zu berühren oder ihn durch eine Sprungtechnik aus dem Gleichgewicht zu bringen.

  Hier im Bild ein sehr kraftvoller Treffer aus einer Demonstration. Angesichts solcher Bilder ist es kaum vorstellbar, wie weich Taek-Kyon in Bewegung aussieht.

Dabei gibt es im Taek-Kyon den Anspruch, den Gegner nicht zu verletzen. Es ist weiterhin verboten, harte Techniken zum Körperrumpf auszuführen.

  Mit Handtechniken kann man nicht punkten, die Hände werden ausschließlich zum Festhalten und Werfen des Gegners verwendet.

Erlaubt sind auch Tritte, bei denen man in den Handstand geht. Das Berühren des Bodens mit einem anderen Körperteil als dem Fuß gilt nur als Punkt für den Gegner, wenn dies aus einem erlaubten Angriff resultiert.
  Gemäß dem alten Regelwerk aus der vorkolonialen Zeit endet eine Runde erst, wenn einer der Spieler das Wettkampfziel erreicht hat. Ein Kampf kann also sehr lange dauern, wenn kein Zeitlimit vereinbart wird.

Normalerweise bleibt ein Kämpfer nach einem Sieg auf der Kampffläche und tritt gegen den nächsten Gegner an. Kann ein Kämpfer fünf Gegner hintereinander besiegen, so ist er der Gewinner des Turniers.


 

Übungsformen


Sehr wichtig sind Partnerübungen, die abgesprochene Techniken enthalten. Dabei werden Angriffe und Konter geübt. Anstelle von Blocktechniken werden Ausweichmanöver geübt. Blöcke existieren zwar auch, werden aber eher als "Notlösung" angesehen.
  Eine Besonderheit ist die Partnerübung für die Fußtritte. Hier stellen sich die Trainingspartner mit einem Ausfallschritt gegenüber und beugen ihr Knie jeweils abwechselnd drei- oder fünfmal durch bevor eine Technik durchgeführt wird. So entsteht der Eindruck von "klebenden Beinen/Füßen"

Formen (Aneinanderreihung von Techniken als "Schattenkampf") gibt es im Taek-Kyon erst seit Shin Han-Seung (80er Jahre).
  Prinzipien


Taek-Kyon wurde nicht erfunden, sondern hat sich über lange Zeiträume hinweg entwickelt. Daher ist es schwierig, allgemeine Prinzipien zu identifizieren.

Ein Prinzip hinsichtlich der Taktik ist es meist, dem Angriff des Gegners auszuweichen um dann entweder seine Angriffsenergie zu nutzen oder mit eigener Energie zu kontern. Wie bereits erwähnt, werden weiche Ziele fast immer mit harten Waffen und harte Ziele mit weichen Waffen angegriffen.

In Bezug auf die Technik ist Eleganz und "gummiartige" Elastizität das wichtigste Prinzip. Keine Bewegungen und Techniken sind starr und hart, sondern fließen ineinander über.

Taek-Kyon ist nicht erdverbunden sondern von der Luft als Element dominiert.

Es wurde seit Jahrhunderten nicht mehr im Militär gebraucht. Es hat sich vielmehr zu einem Volksspiel oder gar -brauch entwickelt. Daher ist der Charakter des Sports sehr freundschaftlich und kooperativ, nicht selten sogar fröhlich. Dennoch sind Techniken erhalten geblieben, die Verletzungen hervorrufen können.

Entsprechend der lockeren Techniken und der Geschichte laufen Training und Turniere traditionell nicht so streng ab wie in vom Milität geförderten Kampfmethoden.


  Schreibweisen und Bedeutung


   
  Im Koreanischen besteht Taek-Kyon aus zwei Silben mit der Trennung zwischen den beiden K's. Die Bedeutung des Wortes ist nicht mehr genau bekannt. Das "ae" wird wie das deutsche"ä" gesprochen und das "o" ist eigentlich ein offenes "ô".

Insgesamt gibt es 120 Möglichkeiten Taek-Kyon in lateinische Buchstaben umzuschreiben. Zulässig ist auch die Schreibweise ohne Bindestrich. Dies könnte allerdings fälschlicherweise auch "Tae-Kkyon" getrennt werden, denn im Koreanischen existiert ein Doppel-K.

  Daneben kann man auch "Taekyon" schreiben. Dies birgt jedoch die Gefahr der Trennung als "Tae-Kyon", was zur Verwechslung mit Tae-Kwon-Do (TKD) führen würde.

Auch die Abkürzung "TK" kann leicht als "Tae-Kwon" interpretiert werden, weswegen sich "TN" in Deutschland durchgesetzt hat.

  Geschichte


Es ist nicht bekannt, wann und wie genau Taek-Kyon entstand. Jedoch wurde es über viele Jahrhunderte von den Koreanern und ihrer Kultur geprägt, ohne dass andere Völker Einfluss nahmen.

 

Geschichte

Hier eine Auswahl von Fakten, die dem Autor bei der Erstellung (März 2004) gesichert erschienen:

  Datum Ereignis
  2749 v.Chr.








Kaiser Chi-U (oder auch Chiwoo) wird geboren und mit 42 Jahren gekrönt. Er unterwirft in etwa 10 Jahren und mehr als 70 Schlachten Teile Ost-Chinas. Die neuartigen Eisenwaffen, die die Koreaner benutzen, erschrecken die Chinesen. Besondes die neuen Gesichtsmasken der Aggressoren beeindrucken die Chinesen stark. Kaiser Chi-U wurde fortan als Halbgott angesehen. Das Symbol einer solchen Maske ist heute das Symbol der Korea Taekkyon Association (KTA), da es die lange Geschichte koreanischer Kampftechnik symbolisiert. vgl Bild A
  37 v.Chr.






Im königlichen koreanischen Grab Mu-Yong-Chong sind zwei Kämpfer abgebildet. Dieses Grabgemälde ist jedoch eine Abwandlung eines Bildes aus einer chinesischen Grabhöhle und zeigt daher wahrscheinlich keine bestimmte Kampfmethode.
(Quelle: "Ancient Tomb Mural of Korea" geschrieben von Mr.Kim, Won-Ryong, anno 1980. Chines Huhan dynasty's ancient tomb mural (located in Hanam-sung, Mil-hyun, Taho-ri) vgl Bild B
               
  bis zur Choson bzw. Yi-Dynastie (Beginn 1392) Der / die Vorläufer des Taek-Kyon werden vom Militär und vermutlich von den Hwa-Rang (einer Art korean. Ritter) verwendet. Somit ist Taek-Kyon zu dieser Zeit im Bereich der Aristokratie angesiedelt.
  ab 15.Jh.


Taek-Kyon wird aufgrund der friedlichen Zeiten zunehmend als Volksspiel betrieben. Die Technikvielfalt aus militärischen Zeiten bleibt jedoch - bis in die Gegenwart erhalten
  um 1790 (in der Zeit des Königs Chông-Jo)
















In dem Buch "Man-Mul-Bo" (auch "Jae-Mul-Bo") geschrieben von Lee, Sung-Ji, einer Enzyklopädie über das Land, steht erstmalig in koreanischer Schrift der Name "Taekkyon" geschrieben.

Zitat:"Byun and Subak is Byun, Kakryuk is Mu and all these are being called as Takkyon (instead of Taekkyon) in Hangeul."

Es ist also offensichtlich so gewesen, dass mehrere Kampfsportarten bzw. mehrere chinesische Zeichen "Takkyon" ausgesprochen wurden.

Da erst seit dem 15.Jahrhundert eine koreanische Lautschrift existiert und kein chinesisches Zeichen für Taekkyon erfunden wurde, ist nicht nachweisbar, ob einer der alten chinesischen Texte aus Korea von Taekkyon handelt. Stattdessen sind Texte bekannt, in denen chinesische und andere koreanische Kampfformen genant werden (z.B. in dem Buch "Muyedobotongji").

Das obige Zitat aber weist darauf hin, dass möglicherweise die benutzten Zeichen wie "Takkyon" ausgesprochen wurden. Allerdings ist nicht festzustellen, seit wann dies der Fall war. Dieser Fakt ist bedeutsam für die Unterscheidung von verschiedenen Stilrichtungen: Wenn mehrere Zeichen zu einem Begriff verschmolzen sind, ist es auch naheliegend, dass mehrere Stile zu einem wurden.

  1846
















Ein noch existierendes Bild zeigt ein dörfliches Fest, auf dem parallel zwei Ssireum-Ringer und zwei TN-Spieler in typischer Haltung abgebildet sind.

Der Name des Bildes ist "Dae-Kwae-Do", gemalt von Yu, Sôk (*1827, +1873). Dieser war ein Maler des königlichen Hofes und wollte das Leben des normalen Volkes darstellen.

Erst ab hier ist gesichert, dass Taekkyon so tänzerisch ist, wie wir es heute kennen. Man erkennt deutlich die Hüftbewegung und die typische Beinstellung der Spieler.

Diese Entwicklung hin zum Tänzerischen kann mehrere Jahrhunderte gedauert haben. Es ist davon auszugehen, dass Taekkyon sich mit koreanischem Maskentanz (Tal-Jum) vermischt hat, denn einige Bewegungen sind vollkommen identisch.

s.Bild C
  19. Jh.







Kim, Jun-Keun malt das Bild "Pung-Sok-Do". Es zeigt ebenfalls Ssireum und Taekkyon, jedoch sind keine weiteren Einzelheiten bekannt.

s.Bild D

Taekkyon ist zu dieser Zeit wohl nur noch in wenigen Regionen Koreas verbreitet, u.a. in der Region Seoul.

  um 1910










Ein Photo von zwei Taekkyon-spielenden Kindern wird aufgenommen, auf dem deutlich der Tanzschritt mit der vorgebeugten Hüfte zu erkennen ist.

Der Photograph ist namentlich nicht bekannt. Er stammte aber aus Europa, lebte eigentlich in Japan und war auf einer Reise in Korea. Ihm war nicht genau bekannt, was er da fotografierte und beschrieb ein "Kinderspiel". Das Photo wurde wahrscheinlich in einem privaten Haus aufgenommen.

s.Bild E

  1905-1945

Während der Besatzung Koreas wird von den Japanern Taekkyon verboten und nur vereinzelt und im Verborgenen am Leben gehalten.
  etwa 1970-80er Jahre













Song, Dok-Ki (*1893, +1987) gibt sein Wissen über Taekkyon in Theorie und Praxis an mehrere Schüler weiter. s.Bild F (zusammen mit Lee, Yong-Bok)

Er begann im Alter von 12 Jahren zu trainieren:"...Ich habe mit 12 angefangen, von einem Taekkyon-Mann Taekkyon zu lernen. Damals haben wir Taekkyon nicht als Kampfsport (im typischen Sinne) gedacht, sondern als ein Volksspiel, das wir in der Freizeit gespielt haben..." (Quelle: "Vorwort" in dem Buch von Park, Jong-Kwan; ebda.)

Da Song reiche Eltern hatte, widmete er sich in seinem Leben nur wenig der Erwerbsarbeit und übte sich in Künsten, dem Taekkyon und Bogenschießen.

Außerdem gibt es noch einen anderen Mann, der TN weitergegeben hat: Kim, Hong-Shik (*1891, *1984). Kim war vor der japanischen Besatzung ein bekannter Taekkyon-Spieler in der damaligen Gegend "Kurigae" (heute "Euljiro"-Gebiet in Seoul). Er hat Shin bei der Registrierung von Taekkyon als wertvolles nationales Erbe beraten, widmete sich aber seit Ende der Besatzung mehr dem Judo.

  1980er





Shin Hang-Seung (*1928, *1987) wird als der aktivste Schüler Songs erstes und bislang einziges nationales Erbe, ein von der Regierung vergebener Titel. Shin nimmt einige Veränderungen vor. Er sagte klar, dass sein Stil nicht ganz traditionell ist. Der Stil von Song wird in Bild und Ton sowie durch Bücher dokumentiert.

  01.06.1983




Taekkyon wird von der Regierung als "immaterielles kulturelles Erbe Nr.76" bezeichnet ("important intangible cultural asset"). Ebenso erhalten Ssireum (kor. Ringen) und Kug-Gung (kor. Bogenschießen) eine derartige Registrierung - insgesamt also drei koreanische Kampfarten.

  1987
Shin Han-Seung stirbt noch im selben Jahr wie Song.
  ? Der Titel des lebenden kulturellen Erbes wird auf Jông Gyong-Hwa übertragen.
  1990


Die "Korea Taekkyon Association" (KTA) wird unter Lee Yong-Bok ins Leben gerufen und entwickelt sich zum größten Taekkyon-Verband.
   
Entwicklung in Deutschland:

  August 2000




Samuel Kyong-Hoon Jun (*1970) unterrichtet als erster bekannter Taekkyon-Lehrer in Deutschland. Sein erster Schüler ist Hendrik Rubbeling (*1978). Damit wird der Grundstein zur Gründung des "Deutschen Taekkyon Zirkels" gelegt. Dieser ist gleichzeitig wahrscheinlich auch die erste Taekkyon-Organisation Europas.

  2000/2001
Liu Yeonmuk (*1963) gründet einen Taekkyon Zirkel, zunächst in Bonn, dann in Berlin.
  25.12.2003



Liu Yeonmuk und Hendik Rubbeling beschließen, unter dem Namen "Deutscher Taekkyon Zirkel" eine pluralistische Organisation zu verstehen, in der jede Taekkyongruppe unabhängig von ihren Strukturen und Inhalten aufgenommen werden kann. Der Zirkel ist ausdrücklich kein Verband.
 
Bild A: Das Symbol Kaiser Chi-U's und der KTA



Bild B: Das Gabgemälde aus Mu-Yong-Chong



Bild C: Das "Dae-Kwae-Do", gemalt von Yu, Sôk (*1827, *1873)



Bild D: Das Bild von Kim, Jun-Keun: "Pung-Sok-Do"



Bild E: Ein Photo aus japanischer Besatzung (aufgenommen um 1910)



Bild F: Song erläutert Lee eine Technik, Aufnahme vermutlich zwischen Ende der '70er und Mitte der '80er:



  Heutige Situation:

Taekkyon ist trotz seiner langen Geschichte international und sogar in Korea sehr unbekannt. Wie ist das zu erklären ?

Durch den koreanischen General Choi Hong-Hee entstand um 1955 das Tae-Kwon-Do. Dieser und viele andere bekannte koreanische Kampfmeister hatten damals in Japan Karate gelernt.

Choi verwarf sich mit dem koreanischen Weltverband WTF und gründete ITF in Kanada. Seitdem behauptet die WTF, dass TN synonym und identisch mit TKD wäre. Diese Behauptung ist jedoch zweifelsfrei falsch, wie sehr leicht an den Techniken zu erkennen ist.

Sie dient dazu, die Erwähnung von Choi und Japan zu vermeiden. Die Motive sind politischer Natur und haben mit dem Japan- und Nordkoreakonflikt zu tun. Dieser Umstand verhinderte lange Zeit das Bekanntwerden von Taek-Kyon.

Noch heute denken viele Süd-Koreaner, dass Taekyon der antike Name von Tae-Kwon-Do sei. Dies ist heute (2004) die offizielle Version der WTF, die auch im Tae-Kwon-Do Museum in Seoul und auf der Homepage vertreten wird.

So erklärt sich der geringe Bekanntheitsgrad des Taekkyons.

Derzeit wird TN von der "Korea Taekkyon Association" unter Leitung von Großmeister Lee Yong-Bok, einem direkten Schüler von Song, Dôk-Ki und Shin Han-Seung in Korea stark verbreitet. Es gab im Jahre 2003 ca. 250.000 Taekkyonisten in Korea. Jede größere Stadt hat mindestens eine TN-Schule und jede Uni einen Taekkyon-Zirkel.

Song und Shin hatten noch andere Schüler, die teilweise eigene Verbände eröffnet haben. Der größte unter ihnen ist der unter Vorsitz von Jong Gyong-Hwa in Chung-Ju ("Korea Traditional Taekkyon Association").

Allmählich wird Taekkyon als eine der letzten Kampfkünste Ostasiens in das Ausland ex- bzw. importiert.

In den USA sowie in Frankreich gibt es 2003 einen offiziellen Taekkyon-Lehrer mit einer Gruppe.

In Europa gibt es seit 1997 in Bulgarien eine Gruppe unter Plamen, deren Existenz 2003 nicht gesichert ist.

In Deutschland existiert seit dem 15.März 2002 der "Deutsche Taekkyon Zirkel".



Artikel verfasst und Bilder zur Verfügung gestellt von Hendrik Rubbeling



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